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Konradsgrotte Ühlingen: Hoffnungsort der Vertriebenen

18.07.2018

Die CDU hat die Konradsgrotte in Ühlingen besucht, die 1945 für die aus dem Jestetter Zipfel Vertriebenen ein Hoffnungsort gewesen ist.

Im Mai 1945 wurde die Bevölkerung der heutigen Gemeinden Jestetten und Lottstetten "evakuiert", d.h. auf Befehl der französischen Besatzungsmacht mussten die Einwohner die Heimat verlassen. Viele der Vertriebenen wurden in die Dörfer der heutigen Gemeinde Ühlingen-Birkendorf einquartiert. Die Konradsgrotte in Ühlingen war für die Vertriebenen dabei ein Hoffnungsort, an dem eine mehrtägige Andacht durchgeführt wurde; und nach der Rückkehr gab es Überlegungen, deshalb eine Konradskapelle in Jestetten zu bauen.

Aus diesem Grund heraus haben die CDU Ortsverbände von Jestetten und von Ühlingen-Birkendorf, die bereits vor einiger Zeit einen Vortrag über die Evakuierung veranstaltet haben, die Konradsgrotte besucht.

Gabriele Schmidt, Vorsitzende der CDU Ühlingen-Birkendorf, konnte zahlreiche Teilnehmer begrüssen; dazu gehörten auch die Referenten Klaus Müller, Ortvorsteher von Ühlingen, und Dr. Konrad Schlude, Vorsitzender der CDU Jestetten. Vom Ortszentrum aus zogen die Teilnehmer zu der ein Stück ausserhalb von Ühlingen gelegenen Grotte.

 
 

Hier erläuterte Klaus Müller die Geschichte der Grotte. Der Ühlinger Josef Brogle hatte ein Augenleiden und drohte zu erblinden. Aus Dankbarkeit, dass dies doch nicht geschah, errichtete Brogle die Grotte als ein Gewölbe. Diese Grotte ist dem heiligen Bruder Konrad von Parzham (1818-1894) geweiht, der unter anderem bei Augenleiden angerufen wird. Die Heiligsprechung war im Jahr 1934, bereits im Jahr darauf wurde die Grotte am 27. Oktober 1935 feierlich eingeweiht. Die Konradsgrotte befindet sich auch noch heute im Familienbesitz der Nachfahren von Josef Brogle.

Im Anschluss führte Konrad Schlude aus, wie die Evakuierung von 1945 für die Betroffenen ein traumatisches Erlebnis war. In der Trauer um den Verlust der Heimat und in der Ungewissheit der Zukunft war die Konradsgrotte ein Hoffnungsort der Vertriebenen. Nach der Rückkehr gab es daher Pläne, dem Ühlinger Vorbild zu folgen und in Jestetten eine Konradskapelle zu bauen. Der Jestetter Bildhauer Siegfried Fricker (1907-1976) hat damals begonnen, eine Konradsfigur zu schaffen. Aber da es dann doch nicht zum Bau einer Konradskapelle gekommen ist, steht die erst später von Siegfrieds Tochter Radegund Fricker vollendete Konradsfigur in der Pfarrkirche St. Benedikt in Jestetten. Für den Besuch an der Grotte brachte Schlude den Entwurf Frickers für die Konradsfigur mit.

Rosa Beck berichtete über das Leben Bruder Konrads, der über Jahrzehnte Pförtner des Klosters in Altötting gewesen ist. In dieser Funktion hat er sich sehr intensiv um die Pilger gekümmert und hat sich auch als mildtätig erwiesen. Dies war wohl mit ein Grund dafür, weshalb St. Konrad von den Evakuierten verehrt worden ist.

Lied zur Einweihung der Grotte am 27. Oktober 1935, Josef Fahrländer war von 1930 bis 1937 auch Dirigent der Trachtenkapelle Ühlingen.zoom
Lied zur Einweihung der Grotte am 27. Oktober 1935, Josef Fahrländer war von 1930 bis 1937 auch Dirigent der Trachtenkapelle Ühlingen.
 
 
 

Die Vertriebenen und die Konradsgrotte

Die Bedeutung, die die Konradsgrotte für die Vertriebenen hatte, zeigt sich auch im folgenden Text:

Anfang Juli (1945) trafen sich die Gläubigen in der St. Konrads-Grotte bei Ühlingen, um eine sogenannte 9-tägige Andacht abzuhalten. Man traf sich neun Tage nacheinander, um für eine baldige Rückkehr in die Heimat zu beten. Diese Bitte wurde dann auch bald erhört.

(aus: Dieter Sigg: Der Jestetter Zipfel wird evakuiert, Jestetter Dorfchronik 1995, S. 45-54)

 
 
Die Besucher an der Konradsgrotte, auf der linken Seite Gabriele Schmidt (CDU Ühlingen-Birkendorf), Konrad Schlude (CDU Jestetten) und Klaus Müller (Ortsvorsteher Ühlingen)zoom
Die Besucher an der Konradsgrotte, auf der linken Seite Gabriele Schmidt (CDU Ühlingen-Birkendorf), Konrad Schlude (CDU Jestetten) und Klaus Müller (Ortsvorsteher Ühlingen)
Frickers Modell der Konradsfigur zu Besuch in der Ühlinger Konradsgrottezoom
Frickers Modell der Konradsfigur zu Besuch in der Ühlinger Konradsgrotte
 

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